Neue Umsatzsteuerregelungen im Onlinehandel ab 2015

Seit dem 01.01.2015 gelten für Anbieter digitaler Dienstleistungen neue Vorschriften über die Abfuhr von Umsatzsteuer. Diese beruhen auf einer Änderung der Mehrwertsteuer-Richtlinie bezüglich des Ortes der Dienstleistung. Künftig kommt es für die richtige Zuordnung der im Gesamtpreis aufzuführenden Umsatzsteuer darauf an, wo digitale Dienstleistungen abgerufen werden. Bisher wurde die Umsatzsteuer auf Leistungen im Land des Unternehmers besteuert und abgeführt. Mit der Neuregelung soll das Ausweichen von Unternehmen in Länder mit einem besonders günstigen Umsatzsteuersatz vermieden werden.

Die Änderungen betreffen alle Anbieter der digitalen Wirtschaft, welche sich mit Online-Services an nichtsteuerpflichte Personen wenden. Dazu zählen beispielsweise folgende Dienstleistungen:

· Bereitstellung von eBooks
· Bereitstellung von Software-Downloads
· Online-Spiele, App-Stores
· Erbringung von Fernunterrichtsleistungen

!!! Ausgenommen von den Änderungen sind Anbieter physischer Waren!!!

Folgen für den Online-Handel:

Die Änderungen haben gewichtige Auswirkungen für Online-Händler. Die Höhe des Umsatzsteuersatzes richtet sich künftig nach dem Steuerrecht des Wohnsitzstaates des Verbrauchers. Dies bringt einen erheblichen Verwaltungsaufwand mit sich. Unternehmer müssen sich dazu grundsätzlich in jedem Mitgliedstaat, aus dem die Leistung abgerufen und erbracht werden kann, umsatzsteuerlich erfassen lassen und dort ihren Melde- und Erklärungspflichten nachkommen. Zudem muss künftig sichergestellt werden, dass der sich aus der Kundenrechnung ergebene Umsatzsteuerbetrag nicht nur korrekt, sondern vor allem für das Sitzland des jeweiligen Kunden passend dargestellt wird.

Mini-One-Stop-Shop (MOSS-Verfahren)

Eine Vereinfachung für Anbieter sieht das in Deutschland § 18 h UStG umgesetzte „Mini-One-Stop-Shop-Verfahren“ vor. Bereits seit dem 01.10.2014 können deutsche Unternehmen sich einmalig beim Bundeszentralamt für Steuern anmelden, und dort ihre Steuern entrichten. Das Bundeszentralamt für Steuern führt die Umsatzsteuer dann in das Empfängerland ab.

Start-UPs

Besonders problematisch ist die Neuregelung vor allem auch für Kleingewerbetreibende gemäß § 19 UStG. Dies betrifft insbesondere auch Start-UPs im Umfeld der digitalen Wirtschaft, welche üblicherweise geringe Anschaffungs- und Betriebskosten haben und wegen der niedrigen Vorsteuer die Vorteile einer Umsatzsteuerbefreiung nutzen. Auf die Regelungen zum Kleingewerbe können sich deutsche Unternehmen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs nämlich nicht im europäischen Ausland berufen. Diese gelten nur für Umsatze, die in Deutschland getätigt werden, was dann nicht mehr der Fall ist. Aus diesem Grunde müssen sich auch Unternehmen mit den Änderungen befassen, obwohl sie in Deutschland u.U. nicht Umsatzsteuerpflichtig sind.

Falls Sie Fragen zu den neuen gesetzlichen Vorgaben, der Umgestaltung Ihrer Web-Shops haben, helfen wir Ihnen gerne weiter.